Ketchup oder Mayo?
Eigentlich ist es mir ja ein wenig peinlich. Denn aus Prinzip und aus ideologischen Gründen und überhaupt hasse ich McDonald, genau wie jeder andere politisch korrekte Mensch in diesem Lande. Schon bei dem Gedanken an die Jungs muss ich an den Slogan "Freßt Scheiße, Millionen Fliegen können sich nicht irren!" denken. Keine Ahnung wie diese Assoziation zu Stande kommt. Manchmal aber kommt man nicht drum herum, weil einen der Heißhunger nach einem dieser perversen Burger überkommt. Und außerdem setzt die imperialistische Franchise-Kette den Goldstandard in Sachen Pommes Frites. Ganz abgesehen von allen ideologischen Überlegungen muss man jedoch in bezug auf genau zwei Punkte helle Begeisterung beim Betreten einer jeden McDonalds-Filiale empfinden.
Zu erklären ist diese Begeisterung vermutlich durch, dass den Mitarbeitern bei Nichtbeachtung der zugrunde liegenden Regel drakonische Strafen drohen müssen. Oder wollen Sie mir tatsächlich erzählen, es sei Ihnen jemals passiert, dass einer dieser (manchmal trotz mangelnder Deutschkenntnisse) Frittenschmiede nicht gefragt hat "Ketchup oder Mayo?" wenn Sie eine Pommes geordert haben!
Abgesehen von Schuhgeschäften ist mir in Germanien keine Branche bekannt, in der Kunden, die man bereits an der Angel hat, so konsequent zu zusätzlichem Konsum "genötigt" werden. Selbst wenn in Schuhgeschäften vielleicht nur jeder 20igste Kunde anbeißt, es sollten über die Jahre Milliarden von Euros zusätzlich ausgegeben werden, die ansonsten und wenn überhaupt sicher nicht in Schuhgeschäften ausgegeben würden. Im Falle von McDonald würden diese Umsätze für die tückischen Mayobeutel garantiert nie mehr nachgeholt werden, auch nicht im Supermarkt um die Ecke, wo die Mayonnaise signifikant billiger sein dürfte.
Sollten Sie im Einzelhandel aktiv sein, drohen Sie ihren Mitarbeitern Stockhiebe oder Stromschläge an, wenn diese nicht McDonald mäßige Aktivitäten bei jedem Kunden an den Tag legen, der eindeutig signalisiert, dass er etwas bei Ihnen kaufen wird. In diesem Punkt ist Disziplin die erste Verkäuferpflicht!Und behaupten Sie nicht, amazon.de habe Ihnen nicht bereits ein Buch verkauft, nur weil da ein Button war, "Leser dieses Buches haben auch dieses Buch gekauft". Sie sehen, es funktioniert.
Als Regel sollten Sie aus diesen Erfahrungen ableiten, dass Verkaufen nicht nur eine Kunst, sondern vor allem Disziplin bedeutet. Und lassen Sie sich nicht von Ihren Angestellten erzählen, "Das ist ein alter Stammkunde, der will so etwas nicht!". Das sind alles nur Ausreden, fauler und undisziplinierter Mitarbeiter, die sich das Prädikat "Verkäufer" erst noch verdienen müssen.
Der zweite Punkt, den die Amis in unzweifelhafter Virtuosität beherrschen, ist das Preisbundling. Da werden Menüs zusammengestellt und in Juniortüten oder was auch immer verpackt und der Gesamtpreis des Menüs ist kleiner als die Summe der Einzelkomponenten. Das Resultat ist, dass der Kunde, der eigentlich nur eine Pommes und einen Cheesi wollte, mit einer großen Tüten inklusive zwei Burgern einer großen Pommes, einer mittelgroßen Coke und einer Wald Disney-Figur unter dem Arm wieder aus dem Laden rauskommt. Der geblendete Kunde denkt noch er hätte ein Schnäppchen gemacht, obwohl der satte fünf Euros im Laden gelassen hat und sein Tablett möglicher Weise noch selbst weggeräumt hat und eine halbe Stunde später schon wieder Hunger hat.
Fazit: Auch ein Junk Food-Konzern kann ein Vorbild sein, selbst wenn es weh tut. Kein Kunde, der ohnehin etwas kauft, darf ohne zumindest auf die Idee gebracht worden zu sein, noch mehr zu kaufen, den Laden wieder verlassen. Sei es durch eine (abgewandelte) "Ketchup oder Mayo"-Frage oder durch die Offerierung eines attraktiven Preisbundles.
Klaus-Martin Meyer
Osnabrück Heizung