Das Internet
Es ist ein Netz nur in dem Sinne, dass es einer sich fortwährend dichter gestaltenden Globalisierung meist sinnloser Mitteilungen dient, denen jedoch wie allem Alltagsgerede eine starke Sozialkittfunktion zukommt. Nur ein kleiner Bruchteil der weltweit kursierenden Infos ist in produktiven Kontexten verwertbar. Die aber bedeuten in ihrem jeweiligen Themenbereich eine echte Arbeitserleichterung für den Forschen-den.
Der ungezielt Surfende, der das Net nur gegen seine Langeweile nutzt wie ansonsten das TV, gerät leicht in einen Sog, der ihn auf Wogen eines sinnlosen Info-Mülls davon spült, von Leergut und Schadstoff überrollt.
Mit seiner immer schnelleren Verbreitung wird das Net auch immer häufiger von Menschen genutzt, die seine Funktionsweise nicht verstehen, von Simpeln, deren technische Intelligenz gerade ausreicht, um zu begreifen, wie das Daumenkino funktioniert. Sie klicken und zappen sich ihre Bilder herbei, doch es sind nicht ihre Bilder. Die Allmacht der jederzeit verfügbaren Bilder drängt alle eventuell noch vorhandenen Reste indigener Bildproduktion in den Abgrund des Vergessens. Und da unten steht nur noch der Dichter mit Müllschaufel und Lupe.
Das Prinzip moderner Kommunikation heißt: unablässig vernetzen. Die Gefahr dabei: Begreifen ist langweilig, schwierig, manchmal schmerzhaft. Unlustvermeidung ist prinzipiell angesagt. Schließlich kennen die Neuronen auch keine qualitativen Unterschiede in ihren Reizzuständen. Wir wollen glücklich sein. Was sonst? Also: Endlich Befreiung von der verdammten Sinnquälerei!