Die Round-Trip-Time

- ein entscheidender Geschwindigkeitsfaktor für eine Datenanbindung

Um die Leistungsfähigkeit einer Standleitung zu bewerten, betrachtet man üblicherweise deren Bandbreite. So ist eine 10Mbit/s Anbindung schneller als eine mit 4 Mbit/s, weil sie mehr als doppelt so viele Daten innerhalb der gleichen Zeitspanne übertragen kann.

Doch ist die Reisezeit auf einer Autobahn (wie auch auf der Datenautobahn) nicht von der Verkehrsdichte allein abhängig, wo die 3-spurige Straße mehr Kapazität besitzt als eine 2-spurige und es sich dort häufiger staut. Die Reisezeit richtet sich gleichermaßen nach der Entfernung zum Ziel, die die Teilnehmer zurückzulegen haben. Selbstverständlich ist die direkte Anbindung die kürzeste, und jeder Umweg kostet zusätzliche Zeit.

Umweg und damit Zeitverzug heißt in Datennetzen nicht lediglich Kabellänge in Kilometern. Denn während die Daten auf „freier Strecke“, also in
ihrem Medium Kabel, sehr schnell unterwegs sind, werden sie von jedem Netzknoten auf ihrer Strecke empfindlich gebremst.

Diese Zwischenstationen auf der Reise der Daten vom Sender zum Empfänger sind zum Beispiel Router und Switche, die über die weitere Reiseroute entscheiden oder die Datenströme verwalten. Je mehr Netzknoten den Daten im Weg sind (der Fachmann spricht von Hops), umso mehr Zeit geht mit dem Organisieren ihrer Reise verloren, ohne dass sie auf ihrer Wegstrecke tatsächlich weiterkommen.

Für zeitkritische Anwendungen oder bei (aus Netzwerkperspektive) weit entfernten Nutzern kann die Zeit, die ein Datenpaket in einem Netzwerk vom Sender zum Empfänger und zurück benötigt, stark an Bedeutung gewinnen. Aber auch im regulären Betrieb und innerhalb Deutschlands spürt ein Anwender durchaus die zurückgelegte Strecke und die Anzahl an Hops, wenn es zu viele werden.

Anschaulich wird dies, wenn man sich eine Videokonferenz vorstellt, bei der die Teilnehmer nur zeitverzögert kommunizieren können, oder auch das träge Reagieren von Software denkt, die auf einem fernen Server bereitgestellt wird (z.B. Citrix, SaaS). Erfahrungen, die man in den meisten Unternehmen bereits gemacht hat.

Ganz allgemein gilt die Formel, dass Funk- und Satellitenverbindungen vergleichsweise langsam sind. Auch ist ein Datenpaket in einem DSL-Netz länger unterwegs als in digitalen Standleitungen und Glasfaserstrecken von Providern, die sich auf die Anbindung von Unternehmen spezialisiert haben. Und eine zusätzliche Optimierung der Performance lässt sich durch spezielle Routing-Techniken realisieren, die bei den MPLS-Produkten zum Einsatz kommen.

Eine Messgröße für die tatsächliche Reisedauer der Daten ist die Round Trip Time (RTT, Rundreisezeit), anhand derer sich in Millisekunden ablesen lässt, wie lang ein Computer von der Datenaussendung bis zur Datenbelieferung gewartet hat. Die verbindliche Angabe einer (möglichst geringen) Round Trip Time gehört übrigens in die Leistungsbeschreibung eines Standleitungs-Angebots unbedingt mit hinein.

RTT versus Latenzzeit

Sollten Sie als technische Anforderung eine maximale Round Trip Time für Ihre geplante Leitung benötigen, so achten Sie darauf, daß Ihnen der Provider in seinem Angebot nicht stattdessen seine maximale Latenzzeit zusichert! Diese dürfte nämlich lediglich rund halb so hoch sein, da es sich im Fall der Latenz lediglich um eine Messung der Sendezeit vom Sender zum Empfänger handelt. Im anderen Fall, der RTT um die praxisgerechtere Messung vom Sender zum Empfänger und wieder zurück zum Sender. Eben das, was Sie während der alltäglichen Nutzung als Normalfall haben.

Messen durch Ping

Übrigens wird der Ping mit seinem ICMP-Protokoll in vielen Netzen anders geroutet und priorisiert als die regulären Datenpakete. Verlassen Sie sich darum bei der Messung der Round Trip Time nicht alleine auf den Ping.

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