Kuriose Lebensmittel aus Hanf
Neben ernährungsphysiologisch wertvollen Hanfsamen und einer strapazierfähigen Textilfaser liefert die Hanfpflanze durch ihre Blüte auch einige schmackhafte Aromen. Diese stammen natürlich nur aus THC-armen Pflanzen und enthalten keinerlei Drogen. Allerdings sind diese Aromen (auch wenn diese Drogenbestandteile bestenfalls in homöopathischen Dosen beinhalten) durchaus in der Lage, Produkten wie Limonaden, Lollys oder Bier ein absatzförderndes dubioses Image zu verpassen.
Ab und zu verhilft dieses verruchte Image dann zu dem einen oder anderen Polizeieinsatz, der wiederum die ganze Pressemaschinerie in Schwung bringt. Diese Aufmerksamkeit hilft dann mit, dass sich der Hanf-Lolly (englisch: hemp lolly) noch besser verkauft. Das hysterische Geschrei von Eltern, die meinen, dass solche Lutscher oder Limonaden den Drogenkonsum der Jungend fördern könnten, nur weil ein Hanfblatt auf der Verpackung prangt, macht die Süßigkeiten darüber hinaus noch interessanter.
Während die angesprochenen Hemp Candys eher neumodische Trendprodukte sind, gibt es beim Hanfbier durchaus historische Wurzeln. Bevor das deutsche Reinheitsgebot nicht nur die Lebensmittelsicherheit exorbitant steigerte, sondern auch die Vielseitigkeit der Würzmittel im Bier drastisch verminderte, waren Hanfblüten im Bier tatsächlich eine Option. Diesem Vorbild eifern heute diverse Hanfbier-Varianten in aller Welt nach. In den USA wurden die Aktien des Hanfbierbrauers "Frederick Brewing Co" sogar an der Börse gehandelt. Das Bier "Hempen Gold" gewann Preise auf Wettbewerben für Microbreweries. In Europa war sicher das deutsche "Turn" das erfolgreichste Hanfbier.
Das jüngste Gerichtsurteil, dass dem Bier "Der schwarze Abt" Zucker beigemischt werden darf, könnte auch Hanf als Würzmittel für Bier neuen Schwung verleihen. Vielleicht setzt ja schon bald eine große Brauerei auf diesen Trend.
Klaus-Martin Meyer