Kenaf ein nachwachsender Rohstoff

Der Rohstoff für den Ford im Mondeo verwandten Kenaf wächst in Bangladesh auf Feldern, die landwirtschaftlichen Kooperativen gehören. Diese verkaufen ihre Ernte an Vertreter z.B. der Firma Funder Isowood, die die Qualitäten des Ernteguts noch vor Ort prüfen. Noch im Inland werden die Stängel durch Aufschluss zu Fasern aufbereitet und zu Ballen von je 140 Kilogramm verpackt. Per Schiffsfracht gehen die Fasern von Bangladesh nach Rotterdam und von dort per Lastwagen ins Werk Rudolfstadt/Thüringen der Funder Isowood GmbH. Das Zulieferunternehmen hat sich auf die Produktion von Fasermatten aus Naturmaterialien spezialisiert.

In Rudolfstadt werden die Kenaf-Ballen mechanisch aufgeschlossen und - nach der Reinigung der Fasern von Staub und gröberen Partikeln - zu feinen, einzelnen Fasern veredelt. Anschließend werden die Naturfasern zusammen mit solchen aus Polypropylen maschinell zu einem Vlies geformt. Diesem wird auf an beiden Seiten ein zugekaufter Synthesevlies aus Polypropylen und Polyester hinzugefügt. Danach wird das lockere Gelege mit langen Nadeln, zu einer festen Endlos-Fasermatte mit einer Dicke von rund einem cm verfestigt. Dabei erhält das Kenaf-Naturmaterial die für den weiteren Verarbeitungsprozess notwendige Struktursteife und Rissfestigkeit. Die Fasermattenbahnen werden zu rund 100 Meter langen und 80 Zentimeter breiten Rollen aufgewickelt. Für die Automobilindustrie ist es von immenser Wichtigkeit, dass die festgeschriebenen Qualitäten auf der ganzen Strecke erreicht werden.
Kaum eine Industrie stellt derart hohe Anforderungen an seine Zulieferer wie die Automobilindustrie.

Die Anforderung Naturfasern in die Produkte hinein zukonstruieren, werden insbesondere von der Umweltpolitik an die Autokonzerne gestellt. Aber es gibt auch handfeste ökonomische Argumente. In der Regel sorgen Naturfasern verglichen mit Glasfasern für Gewichtseinsparungen im Automobil.

Klaus-Martin Meyer

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