Naturtextilien aus Hanffasern
Das Ziel des traditionellen Anbaus von Hanf ist die Produktion einer hochwertigen Langfaser. Da die Landwirtschaft bei der Aufzucht von Hanf in der Regel sogar im konventionellen Anbau ohne Pestizide und Herbizide auskommt, eignet sich die hochwertige Langfaser ganz besonders für Herstellung von hochwertigen Naturtextilien.
Die traditionellen Ernte- und Aufschlussverfahren, wie sie heute noch in China und Osteuropa praktiziert werden, beruhen im Wesentlichen auf dem Mähen und Ablegen der Stängel in einer parallelen Lage, dem Trocknen des Ernteguts aus dem Feld, der anschließenden Wasserröste, dem erneuten Trocknen und dem anschließenden Brechen. Darauf folgen das Schwingen und das Hecheln. Fertig ist die Langfaser. Als Beiprodukt fallen Werg und Schäben an. Der einzige Aspekt, der hierbei als ökologisch kritisch betrachtet werden kann, sind die Abwässer der Wasserröste. Dem steht der Einwand gegenüber, dass in den Abwässern auch nur organische Bestandteile aus den Hanfpflanzen das Wasser verunreinigen, was durch Kläranlagen wieder behoben werden kann. Außerdem stellen diese Abwässer einen hervorragenden Dünger da.
Der hohe Einsatz des Faktors Arbeit macht die Hanffaser allerdings zu einer nicht gerade billigen Naturfaser. Dies gilt allerdings für die meisten textilen Fasern, die bei der Herstellung von Naturtextilen zum Einsatz kommen.
Wer allerdings einmal ein Oberhemd aus Hanffasern getragen hat, der wird nicht mehr zur Baumwolle zurückkehren wollen. Die Fasern sind in der Lage mehr Feuchtigkeit aufzunehmen als die Baumwolle. Außerdem bilden die Fasern ein Milieu, welches für Pilze und Bakterien eine eher feindliche Umgebung darstellen. Zudem ist die Reißfestigkeit der Hanffaser unübertroffen. Der Knitterlook der Hanfhemden ist zudem sehr elegant, wenngleich er ein heißes Bügeleisen erfordert.
Klaus-Martin Meyer