Vom Musik-Verlag übers Urheberrecht und die GEMA zu den Tantiemen

Was macht eigentlich ein Musik-Verlag? Urheberrecht und die GEMA sind vielen aber nicht Allen ein Begriff. Die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) sorgt dafür, dass die Urheber von Musik an den Gewinnen aus ihrer Darbietung und ihrem Verkauf beteiligt werden, also für die Ausschüttung von Tantiemen. Ein Musik-Verlag übernimmt administrative Aufgaben wie die GEMA-Anmeldung der Werke. Der Musik-Verlag schützt zudem bzw. verwaltet die Urheberrechte und übernimmt finanzielle Aspekte der Musiker-Arbeit wie eben das Eintreiben von Tantiemen, auch international. Denn während eine Anmeldung bei der GEMA in Deutschland vielleicht auch ohne Musik-Verlag getätigt ist wird das im Ausland schon schwieriger. Denn wie vertritt man seine Urheberrechte und erhält man seine Tantiemen in den USA oder Brasilien?

Urheberrechte variieren von Land zu Land. Während in Deutschland der Urheber automatisch den Schutz vom Copyright genießt und diesen nicht mal explizit ausweisen muss, ist es in den USA umgekehrt. Dort genießen Urheber erst dann Rechte wenn sie sie explizit geltend machen. Es gibt in den meisten Ländern analoge Organisationen zur GEMA die den Geldfluss regeln, etwa die AKM in Österreich und die SUISA in der Schweiz. Allerdings können sich Musiker leider auch keinesfalls auf Institutionen wie die GEMA verlassen wenn es um ihre gerechte Entlohnung geht. Das haben leider Fälle in der Vergangenheit gezeigt. Erst kürzlich sollten die Einkünfte der deutschen Musiker aus Tantiemen um bis zu 50% fallen. Insofern ist eine Instanz dazwischen, eben ein Musik-Verlag, keinesfalls überflüssig. Daher verwundert es nicht, dass es solche bereits in langer Tradition seit mehreren Jahrzehnten gibt.

So ein Beispiel ist der Budde Musikverlag. Spezialisiert auf "independent" noch bevor es den Begriff gab, besteht er seit beinahe 60 Jahren. Er ist es in der Tat auch noch, independent also unabhängig. Dabei geht die Entwicklung zuletzt zu Alles-In-Einem Konglomeraten die Label, Vertrieb und Musik-Verlag vereinigen. Besser bekannt sind diese als Musikkonzerne oder auch allgemeiner als Musikindustrie.

Es wird viel bemängelt an der Musikindustrie, sowohl von der Qualität der Musik als auch wegen dem Ruf vorrangig auf Profite fixiert zu sein, die künstlerische Freiheit zu vernachlässigen oder das Recht der Hörer auf Privatkopien durch allzu weltfremde Einschränkungen zu behindern.

Der Musik-Verlag, insbesondere der independent Musik-Verlag ist dabei irgendwo in der Mitte. Einerseits sorgt er dafür, dass die Urheberrechte der Musiker auch im Ausland angemessen vertreten werden. So, dass Einkünfte die mit ihrer Musik erzielt werden auch dem tatsächlichen Urheber zugute kommen. Andererseits vertritt der Musik-Verlag den Musiker gegenüber der GEMA, der Musikindustrie und all den anderen Institutionen die an der Musik mitverdienen wollen, teils zurecht, teils auch zu unrecht. Die Rechte an der Musik werden dem Verlag quasi nur lizenziert. Wer sich also um sein künstlerisches Schaffen kümmern will und nicht um Verträge, Bilanzen und Buchhaltung sorgen, überlässt diese Aufgabe dem Musik-Verlag.

So tun es auch legendäre independent Musiker wie Joan Baez, Leonard Cohen oder auch ganze Label wie das inzwischen ebenso zumindest unter Kennern bekannte Kitty Yo. Alle sind sie beim oben genannten Budde Musikverlag. Dem ist nichts hinzuzufügen, nachdem ich mich durch die Materie bei der Recherche durchgewühlt habe würde ich am liebsten auch nichts mehr mit Urheberrecht und GEMA zu tun haben wollen. Auf die Tantiemen würde ich allerdings auch nicht verzichten wollen.

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