Kennen Sie schon Google-Base?
Für die geschäftliche ebenso wie für die private Nutzung hat Google einen virtuellen Kleinanzeigendienst eingerichtet - Google-Base. Hier kann jeder Surfer Anzeigen und Informationen verschiedenster Art finden. Hier können sowohl Kleinanzeigen und Stellenanzeigen aufgegeben, aber auch Dienstleistungen gesucht oder angeboten werden, und auch die Veröffentlichungen von Beiträgen oder Kochrezepten ist möglich. Weiterhin hat Google mit der US-Fernsehakademie eine Vereinbarung getroffen, dass Videos aus TV-Archiven und Interviews mit Prominenten kostenlos überlassen werden.
Google hat damit eine Möglichkeit gefunden, sein Geschäftsspektrum zu erweitern und macht sich den Umstand zunutze, dass im Internet ein unglaubliches Potential an Daten existiert, die kaum jemals von den Crawler-Bots der Suchmaschinen erfasst werden. Zudem erhält Google über die eigenen User die mittels Suchbots bislang noch nicht erfassten Informationen. Parallel zu den durch Software erstellten Suchdatenbanken baut sich jetzt eine Katalogform auf, welche von den Google-Usern mit den verschiedensten Metagtags versehen wird. Laut Google sollen Suchergebnisse aus diesen Daten Bestandteil der allgemeinen Suchlisten werden. Bislang jedoch war das Resultat eine Flut von Kleinanzeigen. Viele Firmen nutz(t)en die Gelegenheit, ihre Warenbestände im Google-Web aufzuführen, denn eine Nutzungsgebühr wird nicht erhoben.
Die größte Suchmaschine der Welt scheint den Anzeigenmarkt zu vernichten, ohne wirkliches Interesse an diesem Geschäft zu haben, denn die Konkurrenz im Web soll auf der Strecke bleiben. Die Popularität von Google macht dabei die ganze Sache zu einem Selbstläufer, Werbung ist kaum nötig, und doch schnellt Googles Aktienkurs in die Höhe. Gemäß Google handelt es sich zunächst um einen Produkttest, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass etablierte Kleinanzeigen-Anbieter wie Scout 24 oder Craigslist (USA) hier betroffen sind. Möglich wäre auch der Aufbau eines entsprechenden Wettbewerbmodells zu Ebay, denn momentan befinden sich Technologien für Internetauktionen und Kleinanzeigen in der Testphase.
Über 90 Prozent des Umsatzes von Google erfolgt über Werbelinks, welche neben den Resultaten von Suchabfragen auftauchen. Marktforscher gehen aber davon aus, dass die momentan noch hervorragenden Ergebnisse abflachen werden, weshalb Google nach Alternativen sucht. Vielfach wird auch angenommen, dass Google-Base den Einstieg in das Geschäft mit der Abwicklung von Zahlungen im Internet ermöglichen soll, wo momentan die Ebay-Tochter Paypal dominiert. Zudem beabsichtigt Google mit Sicherheit, seine 400 Millionen User auf die neue Plattform zu ziehen.
Aber auch die regionale und lokale Presse fürchtet den Wegfall der Kleinanzeigen, stellen sie doch einen ganz erheblichen Faktor bei der Finanzierung dar. Mit der Online-Darstellung in Konkurrenz zu treten, ist kaum möglich, denn das Internet reicht quasi weltweit. Google hingegen veröffentlicht die Kleinanzeigen kostenlos, denn dadurch haben User kaum noch Veranlassung, die Seiten der Konkurrenz aufzurufen. Gelingt es Google, hier eine gewisse Qualität zu erreichen, hat der Wettbewerb kaum eine Chance.
Sowohl Craiglist als auch Ebay treten dieser Entwicklung mit der Absicht entgegen, ebenfalls kostenlose Anzeigenmärkte anzubieten. Und auch deutsche Verlagsgruppen arbeiten an einem Konzept, das ihnen dies ermöglicht. Zu klären ist dabei die Frage, wie das zu finanzieren ist - eigentlich gar nicht, denn Printmedien haben einfach höhere Kosten. Darüber hinaus fehlt ihnen auch das finanzielle Polster, um sich im Wettstreit durchzusetzen.
Fazit ist, dass alle Onlinekonzerne diese Offensive von Google mit Argwohn betrachten, Microsoft und Yahoo genauso wie AOL und Amazon.