Hanfprodukte, ein neues Segment für den Direktvermarkter in der Landwirtschaft?
Hanfsamen gehören zu den ernährungspysiologisch hochwertigsten Ölfrüchten. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg war Hanföl ein bekanntes Speiseöl. Unlängst sorgte der Wellnesspapst Dr. Ulrich Strunz mit seinem Buch „Fitt mit Fett“ dafür, dass das an Omega-3-Fettsäuren reiche Speiseöl zumindest verbal wieder in aller Munde ist.
Seit Mitte der 90er Jahre sind Produkte aus biologisch angebauten Hanfsamen im Naturwarenhandel, Reformhäusern, Apotheken und spezialisierten Hanfläden käuflich zu erwerben. Bis jetzt sind Hanflebensmittel jedoch ein absolutes Nischenprodukt geblieben, wenn auch größtenteils mit einer begeisterten Anhängerschaft.
Besonders viele Kunden, die unter Neurodermitis, Hyperaktivität und Psoriasis leiden, schwören oft auf die Wirkungen des Hanföls. Diese Krankheiten werden u.a. durch den Mangel an essentiellen Fettsäuren begünstigt. Die orale Einnahme aber auch die äußerlich Anwendung des Öls hat bereits vielen Patienten geholfen. Publikationen wie z.B. das angesprochene Buch von Dr. Strunz werden dazu führen, dass immer mehr Menschen, die einfach nur auf eine gesunde Ernährung achten, vermehrt auf Produkte aus Hanfsamen zurückgreifen (ein in dem Buch als Bezugsquelle genannter Händler soll seine Hanfölumsätze seit Erscheinen des Buches mehr als verdoppelt haben!).
Die Palette an Hanflebensmitteln ist in den letzten Jahren immer breiter und auch professioneller geworden. Neben dem kaltgepressten Hanföl sind vor allem die geschälten Hanfsamen für Müsli und das aus den Samen gewonnene Hanfsamenmehl beliebt. Backmischungen mit Hanfsamen z.B. von der Firma Ruf liegen bereits in den Supermarktregalen. Da Hanfsamen selbst keinerlei THC – der wichtigste psychoaktive Inhaltstoff des Hanfs – enthalten, können die am Markt erhältlichen Produkte als vollkommen sicher angesehen werden. Eine von manchem befürchtete Drogenproblematik ist ergo gänzlich ausgeschlossen.
Aufgrund der ernährungsphysiologischen Eigenschaften, der hohen Qualität der weiterverarbeiteten Produkte und der weiter steigenden Aufmerksamkeit, die dem Hanf als Lebensmittel zu Gute kommt, sind Hanfprodukte geeignet, um für direktvermarktende Landwirte zusätzliche Umsätze zu generieren. Gerade auf dem Land ist Hanföl oft nur in der Apotheke (was den vielen Kunden gar nicht bekannt ist) oder umständlich im Versandhandel zu bekommen.
Aufgrund der immer noch vorhandenen Unwissenheit vieler Verbraucher um die positiven Qualitäten des Hanf als Lebensmittel , werden sich beim Vertrieb z.B. von Hanfnudeln in Form von kleinen Cannabisblättern zahllose Möglichkeiten bieten, mit dem Kunden ins Gespräch zu kommen. Produkte wie Hanfbier oder Hanfkäse sind stets für einen Aha-Effekt gut. Eine daraus resultierende Mund-zu-Mund-Propaganda für den Hofladen ist quasi einplanbar, zumal es bisher kaum direktvermarktende Landwirte gibt, die Hanfprodukte verkaufen. Gerade in der heutigen Zeit gilt es für Unternehmer jede Chance zu nutzen, das eigene Geschäft in die Wahrnehmung der Kundschaft zu befördern. Hanfprodukte haben sich in dieser Beziehung bisher immer bewährt.
Es ist natürlich auch denkbar, das Sortiment um Hanftextilien und Hanfkosmetika zu ergänzen. Hier dürfen in erster Linie Artikel mit einem absolut betrachtet tiefen Preis in Frage kommen, wie z.B. Socken oder Lippenbalsam.
Da ein großer Teil der in Deutschland verarbeiteten Hanfsamen auch im Land
geerntet wird, würde durch den verstärkten Vertrieb dieser Produkte über
Hofläden nicht nur ein größerer Teil der Wertschöpfung innerhalb der
Landwirtschaft verbleiben, sondern die Hanf anbauenden Landwirte würden dadurch
eine nachhaltige Unterstützung erfahren. Dies dürfte auch dem nachwachsenden
Rohstoff Hanf dienlich sein.
Klaus-Martin Meyer
Dipl.-Kfm.