Die Entwicklung der Hundezucht
Der Haushund gehört innerhalb des Tierreiches zur Art der Wölfe, Gattung der Echten Hunde (Canini) in der Familie der Hundeartigen (Canidae). Die Familie der Hunde ist den Raubtieren (Fleischfressern, Carnivoren) untergeordnet, die wiederum zur Klasse der Säugetiere (Mammalia) im Stamm der Chordatiere (Chordata) gehören.
Man geht momentan davon aus, dass der Gemeine Wolf Stammvater aller Hunde ist. Die Forscher streiten sich bis zum heutigen Tag über den Zeitpunkt der Abspaltung der Hunde vom Wolf. Einige argumentieren, dass bereits vor 135000 Jahren Anzeichen für eine Separierung von Wolf und Hund existierten. Gegner dieser Theorie verweisen auf mangelnde Beweise in Form von Ausgrabungen und meinen, dass der Hund viel jünger ist.
Sicher ist, mit der Sesshaftwerdung des Menschen passten sich die Hunde in Verhalten und Exterieur ihren Lebensumständen an. Der Mensch begann Hunde nach konkreten Gesichtspunkten auszuwählen, um sie für bestimmte Aufgaben zu nutzen. Von planmäßiger Zucht konnte man noch nicht sprechen. Trotzdem bildeten sich durch diese zweckgebundene Auslese unterschiedliche anatomische und charakterliche Merkmale heraus, welche die Basis für die Entstehung der Hunderassen waren. Im Laufe der Generationen festigten sich diese Eigenschaften.
Zuerst waren es nur gemeinsame Leistungsmerkmale, wie Ausdauer bei Hütehunden, Kraft und Mut bei Wachhunden, sowie Wendigkeit und Raubzeugschärfe bei Jagdhunden, die die Hunde in einer bestimmten Region oder innerhalb eines größeren Hunderudels auszeichneten. Doch oft hatten Hunde mit ähnlichen Leistungseigenschaften im Laufe der Zeit auch gemeinsame äußere Merkmale. Ursache dafür war nicht nur die Anpassung an die gemeinsamen Umweltbedingungen, sondern die zufällige oder planmäßige Kreuzung verwandter Tiere miteinander. Wenn immer wieder Tiere mit gleichen oder zumindest ähnlichen Eigenschaften miteinander verpaart werden, kann man auf diese Weise erwünschte Eigenschaften fördern und festigen. Im umgekehrten Sinne merzt man unerwünschten Eigenschaften in der Zucht aus, in dem man Merkmalsträger und Vererber dieser Merkmale von der Zucht ausschließt. Zu Anfang der planmäßigen Hundezucht beschränkte man sich auf reine Auslese (Selektion). Mit der Entdeckung der Mendelschen Gesetze erhielten die Züchter Einblick in die Hintergründe der Vererbung und nutzten diese fortan für ihre Zucht.
Heute werden Rassehunde auf Wesen, Schönheit und Leistung gezüchtet und beurteilt. Als Beurteilungskriterium gibt es für jede Hunderasse einen Rassestandard, der bei der Fédération Cynologique Internationale (FCI) hinterlegt ist. Diese Organisation ist der größte internationale Dachverband für Hundezüchter. Die FCI erkennt momentan 336 Hunderassen an. Sie hat für alle Hunderassen eine Einteilung in 10 Gruppen geschaffen, die sich am ursprünglichen Gebrauch der Rassen orientieren. Das sind:
- Gr. 1: Hütehunde und Treibhunde (ohne Schweizer Sennenhunde)
- Gr. 2: Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde u.a.
- Gr. 3: Terrier
- Gr. 4: Dachshunde
- Gr. 5: Spitze und Hunde vom Urtyp
- Gr. 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen
- Gr. 7: Vorstehhunde
- Gr. 8: Apportierhunde - Stöberhunde - Wasserhunde
- Gr. 9: Gesellschafts- und Begleithunde
- Gr. 10: Windhunde
Pro Land betraut die FCI nur einen nationalen Züchter- Verband mit der Wahrnehmung ihrer Interessen zur Förderung der Rassehundezucht. Aus Deutschland ist der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) Mitglied der FCI. Der VDH und seine rassespezifischen Klubs haben die Aufgabe, die planmäßige Zucht der einzelnen Hunderassen anzuleiten, zu fördern und die Züchter fachgerecht zu betreuen. Unter den Zuchtzielen haben die Erhaltung von Wesen, Gesundheit und rassetypischen Merkmalen oberste Priorität. Um diese hohen Ziele zu erreichen, hat der VDH ein strenges Zuchtreglement geschaffen. Dadurch soll gesichert werden, dass nur gesunde und wesensmäßig einwandfreie Tiere in die Zucht gelangen und bei ihren Züchtern einwandfreie Haltungsbedingungen vorfinden. In vielen Rassen kennt man inzwischen Erbkrankheiten, die durch gute Zuchtplanung und Vermeidung von Inzucht bekämpft werden müssen. Auch dabei greifen die VDH- Klubs regulierend ein.
Interessenten, die sich einen Hund anschaffen möchten sind gut beraten, bei einem VDH- Züchter oder einem der angeschlossenen VDH- Hundeklubs nachzufragen. Dort erhält man Informationen zur Hunderasse, wissenswerten Eigenschaften und erforderlichen Haltungsbedingungen.
Detaillierte Tipps zur Auswahl des geeigneten Züchters und einen Webkatalog für Züchter und Zuchtverbände aller Tierarten findet man auf www.zuechter.info.
Autorin: Katrin Sabisch
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