Barrierefreies Webdesign
Barrierefreies Webdesign bezeichnet Internet-Angebote, die nicht durch irgendwelche Barrieren Menschen mit einer Behinderung, aber auch Benutzern ohne Behinderung oder mit altersbedingten Einschränkungen (z.B. Sehschwächen)den Zugang zum Online Angebot erschweren oder unmöglich machen. Die angloamerikanische Bezeichnung hierzu ist Accessibility. Als Fachbegriff gehört er zumindest in den Fachkreisen schon zum deutschen Sprachgebrauch und lässt sich etwas unglücklich mit Zugänglichkeit übersetzen. Neben der Zugänglichkeit geht es beim Thema Accessibility auch um die Plattformunabhängigkeit - ein Internetangebot soll sowohl mit Bildschirm als auch mit PDA, Handy, etc. nutzbar bleiben.
Um es gleich vorweg zu nehmen, Webdesign im Allgemeinen ist ein Arbeiten mit Kompromissen; der Webdesigner weiß nicht, unter
welchen Voraussetzungen der Surfer seine Seite besucht und versucht natürlich, möglichst wenige Surfer von seinem Angebot
auszuschließen. Ein Verzicht auf Techniken, die Plugins erforderlich machen, ist da oberstes Gebot.
Nicht anders verhält es sich beim barrierefreien Webdesign. Mein Verständnis von barrierefreiem Webdesign ist
nicht das Erstellen einer Internetpräsenz für Minderheiten, sondern ein Versuch, auch den Minderheiten den Zugang zum Angebot zu
ermöglichen - wenn auch nicht unter idealen Bedingungen.
Die Website, auf der Sie sich befinden, ist nicht barrierefrei, sondern barrierearm. Jedoch fehlt auch hier die letzte Konsequenz um alle Bedingungen der WAI zu erfüllen.
Die Web Accessibility Initiative (WAI) ist der Teil des W3C, der für die Zugänglichkeit in den W3C-Standards zuständig ist. Barrierefreies Webdesign ist dabei ein Schwerpunkt, der im Standard für HTML 4.0 im Jahr 1997 erstmals in eine Internet-Norm umgesetzt wurde.
Die Richtlinien der WAI umfassen 66 Regeln, die
als Kriterien für barrierefreies Webdesign gelten. Natürlich richten sich diese Regeln nicht nur an Web-Designer, sondern auch
an die Hersteller von Browsern, Gestaltungs-Software und Spezialsoftware wie z.B. Screen-Reader. Manche Barrieren können seitens
der Software-Branche beseitigt werden, andere nur durch aktives Gestalten seitens der Web-Designer behoben werden.
Letzten Endes lässt sich vollständige Barrierefreiheit nicht erreichen.
Die WAI hat ihre Richtlinien in drei Prioritätsstufen aufgeteilt. Ohne diese Prioritäten wären viele Webmaster schlicht überfordert, wollten sie alle 66 WAI-Richlinien auf einmal umsetzen.
- 1. Priorität: 17 Anforderungen, die zu erfüllen sind, um grundsätzliche Barrieren zu umgehen. Ohne die Einhaltung dieser Regeln sind Webseiten für viele Menschen nicht lesbar.
- 2. Priorität: 33 Anforderungen, die zu erfüllen sind, um Barrieren zu umgehen. Werden diese Regeln nicht eingehalten, sind bestimmte Personenkreise weiterhin von der Website ausgeschlossen.
- 3. Priorität: 16 Anforderungen, die der Barrierefreiheit dienen - nachrangige Regeln, deren Verletzung keine gravierenden Folgen hat.
Das Minimalziel eines Webdesigners muss also sein, die Bedingungen der ersten Priorität der WAI zu erfüllen. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie auf den Seiten der WAI.
Viele Webdesigner protzen auf ihren Webseiten mit ihrer technischen Kompetenz; Sound, Videos, Flash-Animationen und sonstige Dinge
werden dem Surfer geboten. Was diese Webdesigner übersehen, ist, dass letztendlich der Erfolg einer Website über gutes
oder schlechtes Webdesign entscheidet und nicht das Gimik. Erfolg erzielt man nicht dadurch, dass man etliche Surfer durch nicht erbrachte
Bedingungen aussperrt oder den Suchmaschinen wertloses Zeug präsentiert. Diese Gimiks sind aus Sicht der Suchmaschinen nichts
anderes als wertloses Zeug.
Die absolute Krone des Webdesigns ist, wenn man dann auf eine Seite steuert, die über eine Browserweiche den Besucher mitteilt: Sorry, Sie dürfen hier nicht rein, diese Seite ist für Browser XY optimiert.