Kirschkernkissen - ein altes Schweizer Hausmittel
Ein jeder kennt es, das Kirschkernkissen. Ein mit losen Kirschkernen gefülltes Baumwollsäckchen, welches als Wärmflaschenersatz Einsatz findet. Einfach in der Mikrowelle oder im Backofen aufwärmen und es entfaltet seine wohltuende Wirkung.
Es ist immer wieder zu lesen, dass ein Kirschkernkissen ein altes Schweizer Hausmittel ist. Angeblich sollen Arbeiterinnen in einer Schweizer Kirsch-Likör-Fabrik, die wärmespeichernde Wirkung von Kirschkernen entdeckt haben. Sie sollen die Kirschkerne gesammelt und getrocknet haben, in kleine Baumwollsäckchen eingenäht haben und auf die Heizungen gelegt haben. Diese Kirschkernsäckchen wurden dann abends nach der Arbeit auf die geschundenen Körperteile gelegt.
Diese Legende lässt sich aber so nicht aufrechterhalten. Bereits 1998 fand man in Münster bei Ausgrabungen Überreste eines Kirschkernkissens aus dem Frühmittelalter (12. - 15. Jahrhundert). Man kannte also schon damals die heilende Wirkung eines Kirschkernkissens. Aufgeheizt wurden diese Kirschkernkissen damals wohl auf Kachelöfen.
Aber auch heute finden Kirschkerne ihren Einsatz. Eigentlich ein Abfallprodukt der Kirschproduktion (für Joghurts, Konfitüre etc.) werden Kirschkerne, die gereinigt und getrocknet werden auf vielfältige Art und Weise eine Nutzung.
Natürlich werden sie auch heute noch als Füllmaterial für Kirschkernkissen genutzt. Aber gerade in der Ergotherapie werden lose Kirschkerne bei der Behandlung von entwicklungsverzögerten oder behinderten Kindern eingesetzt. In Kirschkernbädern, große Holzkisten, randvoll gefüllt mit Kirschkerne, werden diese Kinder gesetzt und sollen nach vergrabenen Gegenständen suchen und diese ertasten. Dies soll die Sinneswahrnehmung der Kinder schulen und verbessern.
In der Lebensmittelindustrie werden die Kirschkerne geknackt und aus dem Innersten wird ein Bittermandelaroma gewonnen.
Last but not least sind Kirschkerne ein wertvoller und umweltschonender Brennstoff für Kirschkern-Heizungen.
Bernfried Warning
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